Do You Like Speed?

produzentin held hostage. Website taken over by Gates of Schimbulak:

SuperIch bin im Tran, schlafe manchmal ein, verpasse Teile des Wegs und des Gesprächs. Halb strategisch, damit ich nicht die ganze Zeit mit Andrej reden muss, er ist aufgeregt und betrunken, stolz zeigt er uns Almaty. Wir mussten schon mehrmals umsteigen, er hat Freunde mit Autos organisiert, die Besetzung wechselt. Wir werden in das jeweils spektakulärere Auto gesetzt.
Die Mädchen sitzen in den anderen Wägen. Andrej möchte nicht, das wir mit den Mädchen reden, er hat ein Programm vorbereitet, das wird durchgezogen, obwohl es dunkel wird und nebelig im Gebirge.

Wir sitzen in einem Geländewagen. Den Fahrer nennen sie “Small”. Es läuft russischer Gangsta Rap. Den Subwoofer haben sie Small letzte Woche alle zusammen zum Geburtstag geschenkt. Das sind also reiche Kasachen, denken wir. Wenn sie wüssten, daß wir zuhause noch nicht mal ein Auto besitzen, würden sie uns nicht so eine VIP Behandlung verpassen. Andererseits, als ich 19 war, hatte ich auch noch Freunde mit fetten Autos. Small ist höchstens 19, er muss schon reich sein, er wohnt im Gebirge, deswegen kenne er sich aus auf den Serpentinen, die er gerade hochbrettert. “He’s professional!”, sagt Andrej, “He feels his car.” Das ist nicht beruhigend. Small fährt ein Rennen mit “Jew”, bei 150kmh reichen sie sich Zigaretten rüber.

StarsDie Strasse wird mit einem mal eng und gerade, sie führt über einen hohen Damm, zu beiden Seiten fällt es steil herab. Darunter liegt das Tal von Medeo mit dem grossen Eisstadion. Für den Damm wurde Ende der 50er ein Berg gesprengt, er schützt Almaty vor Hochwasser zur Schneeschmelze.
Jetzt sitzt Andrej im anderen Jeep, oder nein wir sitzen jetzt im Jeep von “Jew” und jetzt ist Volodja der Fremdenführer. Das ist mir lieber, Volodja steht nicht so unter Strom wie Andrej. Wir fahren weiterhin sehr schnell, der Motor heult, hoch auf den Schimbulak, die Ohren drücken, der Schimbulak ist 2500 Meter hoch. Oben ist der Skilift ausgeschaltet. Die Motoren der Jeeps bleiben an, während wir einen kleinen Spaziergang machen. Es sieht aus wie in der Schweiz oder wie in Aspen, und überhaupt kommt mir auch die ganze Situation, wie die Jugendlichen leben, international vor, abends Bier kaufen und irre Rennen fahren, an Orten, die sie so gut kennen, das es sonst nur langweilt.

In“Do you like Speed?”, fragt Andrej, wir haben wieder getauscht. Er meint Geschwindigkeit. Er erzählt von einer Freundin, die so schnell gefahren sei in der Stadt, daß sie im zweiten Stock eines Hauses eingeschlagen sei. Ob wir die Stelle sehen wollten.
Die anderen aus dem Konvoi sind nach und nach verschwunden, draussen ist es jetzt dunkel und es regnet stark, die Strasse ist so schlecht, das nur Small noch weiter fahren kann. Small ist es scheinbar ganz egal, wo er hinfahren soll, willenlos fahrend zufrieden. Er nimmt eine falsche Abzweigung und plötzlich gibt es keine Strasse mehr, sondern eine Wiese, die Räder drehen manchmal durch, aber er holt uns souverän aus dem Brachland auf den Parkplatz. Das ist eine Aussichtsstelle, die Andrej uns zeigen wollte, von der aus man seine Stadt liegen sieht. Aber es ist zu nebelig, heute nur schwarze Nacht. Trotzdem ist Betrieb auf dem Parkplatz. Kein Mensch zu sehen, die Motoren laufen, beschlagene Scheiben, steamy windows! – wo sollen sie hin, wenn sie noch bis zur Hochzeit bei den Eltern wohnen müssen. Andrej wohnt allein, deswegen treffen sich gleich alle bei ihm, aber uns will er nicht mehr mitnehmen, “we have to do some business, I’m sorry.”

KazakhstanWir sind zu alt, aber eigentlich froh. Insgesamt ist es schade, das wir nicht im Mädchenauto gesessen haben, sie haben R&B gehört und Alkopops getrunken.

One comment on “Do You Like Speed?

  1. alex

    I am getting bored of toronto. warum gibt es denn so wenig unbekanntes zu entdecken wenn man so weit weg war?
    Aber ich waere auch fiel lieber bei den madchen gesessen

    geruesse
    alex

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